Kulturveranstaltungen


Pollasch-Gedenkfeier 2016

Rede des Herrn Staatsministers Prof. Dr. Winfried Bausback
zu Ehren der Verstorbenen des Spessartbundes e.V.
9. Oktober 2016

Lieber Dr. Himmelsbach, lieber Gerrit,
lieber Kollege Peter Winter,
liebe Mitglieder des Spessartbundes,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

Es ist mir eine große Ehre am heutigen Tag die Gedenkrede anlässlich der diesjährigen Pollasch-Feier zu halten.

Die Gedenkfeier am Pollasch ist etwas ganz besonderes. Sie vereint uns auch mit denen, die uns vorangegangen sind. Das Bild der Weggemeinschaft ist eines, das Wanderern gut vertraut ist. Mit manchen Menschen gehen wir ein langes Stück des Weges zusammen, mit manchen vielleicht auch nur ein, zwei Tage. Dies erleben Sie immer wieder bei Ihren Wanderungen. Aber unabhängig von Länge und Dauer des gemeinsamen Weges kommt es bei einer solchen Wanderung oft zu einem echten Austausch, der bei anderen Gelegenheiten viel schwieriger ist. Gemeinsame Wegstrecken verbinden und öffnen die Tür zu einem echten Austausch.

So verbindet der Spessart, die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft uns heute auch mit Dingen, die vor uns waren. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen heute an frühere Wegbegleiter denken, an Gespräche, auch an lustige Momente, vielleicht humorvolle Bemerkungen oder Witze, die verstorbene Wegbegleiter gemacht haben und vieles mehr.

Ich persönlich denke beispielsweise, wenn ich im Spessart bin, an gemeinsame Stunden mit meinem Vater, der als Lehrer Wandertagstouren mit mir als jungem Bursch vorgeprüft hat, ich denke an meinen Großvater, mit dem ich im Spessart schon früh mit fünf, sechs Jahren beim Imkern war.

Der Spessart verbindet. Er schafft auch für Ihren Bund eine besondere Verbundenheit Ihrer Mitglieder.

Der Spessart erleichtert Freundschaft, wenn Sie – ob nun im Verein oder mit Freunden – die Wege unserer Region erkunden.

Er verbindet Familien, wenn Sie mit Ihren Kindern, Geschwistern, Eltern oder Verwandten die Wege unserer Region erkunden.

Er ist Heimat, die über Jahrhunderte von der Arbeit der Menschen im Spessart geprägt wurde.

Hermann Hesse, der große deutsche Dichter schreibt über das Wandern:

„Jeder Weg führt nach Hause, jeder Schritt ist Geburt, jeder Schritt ist Tod.“

Der Weg nach vorne, Schritt um Schritt, führt uns durch den Tag, durch die Welt und durch das Leben.


Liebe Wanderfreunde,

zum Leben gehört der Tod. Dies macht die Pollasch-Feier deutlich. Es wäre aber falsch den Tod nur negativ zu sehen und in Trauer zu verharren. Die verstorbenen Mitglieder des Spessartbundes würden auch nicht wollen, dass wir stehen bleiben. Sie würden uns ermuntern weiterzuwandern.

Sie würden sich für uns freuen, dass ihre Arbeit, ihr Engagement durch die heute Aktiven weitergetragen und weitergeführt werden.


Liebe Wanderfreunde,

an dieser Stelle möchte ich es mir nicht nehmen lassen dem Spessartbund einen herzlichen Dank auszusprechen. Seit 1913 – also nunmehr 103 Jahren – bereichert der Verein das Leben und die Kultur unserer Region. Er hilft, den Spessart erfahrbar zu machen.

Was nutzen die schönen Wege, ohne kundige Wanderführer?

Was nutzt die Schönheit von Flora und Fauna, wenn sie nicht entdeckt wird?

Was nutzt die frei zugängliche Natur, wenn es niemanden gibt, der weiß sie zu schützen?

Ohne die unzähligen Wanderangebote, Fortbildungen und das unermüdliche Engagement Ihrer Vereine, wäre es mir Bange, wie es um den Spessart stehen würde.

Dabei lässt es sich so einfach aufzählen, was die Ziele des Spessartbundes sind. Landschaftspflege, Erhaltung von Kulturwerten, Betreuung von Wanderwegen. Welche Arbeit dahinter steckt, mit welcher Hingabe die Menschen dieses Vereins sich einbringen, das übersieht man vielleicht manchmal.

Was Sie leisten ist ein Engagement, das bewahrt werden muss. Hierfür ein herzliches Vergelts‘ Gott.

Es ist mir leider nicht bekannt, ob Hermann Hesse zu seinen Lebzeiten das Spessartbundlied kennen lernte. Ich bin aber überzeugt, dass er daran seine Freude gefunden hätte.

In seiner Wandererzählung befindet er, dass die Bäume lange Gedanken haben, ein längeres Leben als die Menschen haben und schließlich auch viel weiser sind. Er scheint sie zu beneiden. Und doch:
„Wer gelernt hat, Bäumen zuzuhören, begehrt nicht mehr, ein Baum zu sein. Er begehrt nichts zu sein, als was er ist. Das ist Heimat. Das ist Glück.“

An diesen Satz hätte Hesse schlussendlich auch die letzten Zeilen des Spessartbundesliedes anknüpfen können. Zeilen, die mich auf manch langer Heimfahrt aus München begleiten:

„Komm einmal zum Spessart, kehrst bald dahin zurück.“

Herzlichen Dank für Ihr großes Engagement und das aller Ihrer Vorgänger.


Burg Wahlmich


Jahrestagung 2016 - Kulturvielfalt im Spessart

Triefenstein-Homburg. „Kulturvielfalt im Spessart“ war das Thema der Jahrestagung 2016 der Kulturwarte und Kulturvereine im Spessartbund. Hauptkulturwart Wolfgang Beyer (Waldaschaff) hatte in die Papiermühle Homburg eingeladen. Bürgermeister Norbert Endres begrüßte die Gäste und stellte seinen Markt Triefenstein vor. Die geschichtliche Vorstellung der vier Triefensteiner Gemeindeteile übernahm Ortschronistin Gertrud Nöth. Für den Spessartbund hieß zweiter Hauptvorsitzender Richard Krebs die Tagungsteilnehmer willkommen. Als Gäste referierte die stellvertretende Bezirksheimatpflegerin Dr. Birgit Speckle zu „Tanzböden in Unterfranken“ und Kreisheimatpfleger Dr. Theodor Ruf über „die Wahrheit über Schneewittchen“. Johannes Follmer führte die rund 40 Tagungsteilnehmer aus dem ganzen Verbandsgebiet durch die Papiermühle Homburg und erläuterte Geschichte und Arbeitsweise des wertvollen Industriedenkmals.

 

Frau Gertrud Nöth
Dr. Birgit Speckle
Dr. Theodor Ruf

Zeitzeugen und Helgen - Wanderbericht mit ausführlichen Details zur Tour rund um Unterafferbach

2015_Zeitzeugen_und_Helgen.pdf