Eichendorff-Plakette geht nach Bad Orb

Spessartbund-Ortsgruppe feierte 125-jähriges Bestehen in historischer Zehntscheune

Bad Orb (sg). Das neue Jahrhundert war gerade angebrochen – eine Zeit des Umbruchs und politischer Krisen –, als Wanderfreunde in der heutigen Kurstadt den „Bad Orber Spessartbund-Verein“ gründeten. Nun feierte die Ortsgruppe ihr 125-jähriges Bestehen mit zahlreichen Gästen und einem bunten Programm im „Haus des Gastes“, der umgebauten historischen Zehntscheune.

„Ihr habt zwei Weltkriege überdauert und auch danach durchgehalten, als alles wieder aufgebaut werden und die Leute teilweise bis zu zwölf Stunden täglich arbeiten mussten“, bewunderte Helmut Seitel, Vorsitzender des Odenwaldklubs und als Vertreter des Deutschen Wanderverbandes zugegen, das jahrzehntelange Engagement der Vereinsmitglieder.

Vor ihm hatte schon der Präsident des Spessartbunds, Prof. Dr. Winfried Bausback, auf die Bedeutung von Kontinuität hingewiesen und der Ortsgruppe für die kommenden 125 Jahre viel Erfolg gewünscht.

Der Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Bad Orb, Michael Heim, dankte der Ortsgruppe für ihren wichtigen Beitrag zum Wohle seiner Heimatstadt und Christine Raedler vom Kulturamt des Main-Kinzig-Kreises richtete nicht nur Grußworte vom Landrat aus, sondern erinnerte auch an die Relevanz von ehrenamtlichem Engagement, besonders in den Bereichen „Natur und Umwelt“.

Und die Vereinsvorsitzende? Sichtlich gerührt sprach Kerstin Zischka aus, was alle fühlten: „Für uns ist das ein sehr, sehr großer Tag mit der Verleihung der Eichendorff-Plakette und ich muss sagen, ich bin sehr froh und voller Demut, dass ich diese Auszeichnung heute auch für diejenigen, die vor mir waren, entgegennehmen darf“. Sie gab einen Überblick über die Anfänge und die Geschichte des Vereins und betonte, dass den damaligen Gründern bereits bekannt war, dass der Wald und die Natur wichtig seien für die Seele. Stets hätten die Wanderführer und Mitglieder versucht, den Gästen die Schönheit des Waldes näher zu bringen, was sehr erfolgreich gelang. „In den Hochzeiten ist die ganze Bundesrepublik hier bei uns zu Hause gewesen. Bei manchen hieß es dann manchmal ´Oh je, die Luftschnapper kommen wieder´“, schmunzelte die Bad Orberin. Für sie sei es immer wieder schön, viele neue Menschen kennenzulernen und ihnen die ganz besondere Bedeutung des Spessarts zu vermitteln. Abschließend dankte sie, ein Teil der Spessartbundfamilie zu sein und wünschte sich, noch lange Zeit die Liebe zu ihrer Heimat weitergeben zu dürfen.

Und dann wurde die Ortsgruppe „maximal gewürdigt“, wie Moderator und Spessartbund-Urgestein Gerrit Himmelsbach fand: Der Landtagsabgeordnete Michael Reul überreichte der Vorsitzenden mit feierlichen Worten sowie einem kräftigen Händeschütteln die Eichendorff-Plakette, die höchste staatliche Auszeichnung für Gebirgs- und Wandervereine in der Bundesrepublik Deutschland. Bundespräsident Karl Carstens, selbst bekennender Wanderer, hatte diese Form der Würdigung 1983 für „Vereine, die sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege und Förderung des Wanderns, des Heimatgedankens und des Umweltbewusstseins erworben haben,“ ins Leben gerufen. „Liebe Frau Zischka, Sie stehen hier stellvertretend auch für Ihre Vorgänger. 125 Jahre Vereinsgeschichte bedeuten 125 Jahre Einsatz für unsere Heimat. Sie leben Heimatliebe ohne Engstirnigkeit. Vielen herzlichen Dank dafür und ich wünsche Ihnen bald das 100. Mitglied“, gab Reul noch mit auf den Weg.

Das Zupforchester Großkrotzenburg begleitete den offiziellen Teil, im Anschluss gab es ein schmackhaftes Büfett, humorvolle Theatereinlagen und viele nette Gespräche. Ein rundum gelungener Nachmittag.

Seit 125 Jahren gilt es in Bad Orb, Kurgästen, Wanderern und Touristen den schönen Spessart zu zeigen. Dieses Ziel haben die Mitglieder der Ortsgruppe nicht aus den Augen verloren. Jeden Samstag bieten sie geführte Wanderungen für die Gäste der Kurstadt und interessierte Mitwanderer an. Neben „klassischen Touren“ stehen auch Sagen, Gedichte, Meditation und natürlich viel Natur und Stadtgeschichte im Mittelpunkt. Ebenso bei den Feierabendwanderungen des Spessartbunds sind die Bad Orber mit dabei. Der Wanderplan für das neue Halbjahr ist übrigens gerade erschienen und findet sich bei den öffentlichen Aushängen am Untertor, auf Instagram sowie auf der Internetseite spessartbund-badorb.de.

Text und Bilder: Sabine Graf

Redner und Ehrengäste: (von links) Prof. Dr. Winfried Bausback, Präsident des Spessartbunds, Bad Orbs Bürgermeister Tobias Weisbecker, Michael Reul aus dem Hessischen Landtag, Moderator Gerrit Himmelsbach, Kerstin Zischka, Vorsitzende der Ortsgruppe Bad Orb, Stadtverordnetenvorsteher Michael Heim, Christine Raedler, stellvertretende Amtsleiterin des Kulturamts im Main-Kinzig-Kreis, sowie Helmut Seitel, Vorsitzender des Odenwaldklubs und Vertreter des Deutschen Wanderverbands.

Landtagsmitglied Michael Reul überreichte Kerstin Zischka die Eichendorff-Plakette.

Sichtlich gerührt bedankte sich die Vorsitzende bei ihren Vorstandskollegen, aktiven Mitgliedern und Unterstützern ihrer Ortsgruppe.

Prof. Dr. Winfried Bausback betonte die Stabilität des Spessartbunds und wünschte für die kommenden 125 Jahre viel Erfolg.

Dem Stadtverordnetenvorsteher Michael Heim, selbst Mitglied im Spessartbund, liegt der Schutz der Natur ganz besonders am Herzen.

“Ihr habt zwei Weltkriege überdauert” staunte Helmut Seitel, Vorsitzender des Odenwaldklubs und als Vertreter des Deutschen Wanderverbands zugegen

Der große Saal im Bad Orber “Haus des Gastes” war voll besetzt, als die Spessartbund Ortsgruppe ihr 125-jähriges Bestehen feierte.

Der große Saal im Bad Orber “Haus des Gastes” war voll besetzt, als die Spessartbund Ortsgruppe ihr 125-jähriges Bestehen feierte.

Das Zupforchester aus Großkrotzenburg trug zum besinnlichen Ambiente bei.