The Wall – die ehemalige Feld-Wildmauer von Heimbuchental
Nachmittagswanderung zur Erkundung eines Bodendenkmals
Alle Dörfer des Hochspessarts mussten früher ihre Äcker vor Wildschäden schützen. Gegen
Schwarzwild unterhielten die Bauern Zäune entlang der Feld-Waldgrenze. Heute künden noch Wegoder
Flurnamen wie „Wagnerstor, Bergtorweg“ (Hessenthal, Mespelbrunn), „kleines Tor“
(Heimbuchental), „Langmauer, Tor“ (Dammbach) vom Vorhandensein der Schutzzäune bezw. der
Wildmauern. Diese Mauern aus Lesesteinen dürften nach 1747, als die Mainzische Jagdordnung
den Förstern die Abgabe von „Zaunstecken“ an die Bauern untersagt hatte, die Einfriedungen aus
Eichenplanken, Ruten und Stecken ersetzt haben. In Heimbuchenthal lässt sich diese Feldmauer
noch gut verfolgen. Ihren Verlauf erkennt man an einem niedrigen Steinwall, den die zerfallene
Mauer hinterlassen hat. An einigen Stellen ist aber auch noch intaktes Mauerwerk, teilweise bis 1 m
hoch zu entdecken. Und das war die Aufgabe der Wanderfreunde Mespelbrunn- Heimbuchental am
16. November bei der letzten Tour des Wanderjahres 2025.
Vom Treffpunkt Martinskirche ließ sich die 25-köpfige Wanderschar entlang der Elsava ins
Unterdorf begleiten, dann lenkte Wanderführer Wolfgang Specht die Schritte Richtung Waldsee und
Buttenbrunn. Oberhalb der Quelle wurde im üppigen Herbstlaub schon eine Steinespur sichtbar, die
sich entlang der Gemarkungsgrenze bergan hinzog. Vorbei am Hohlwegbündel der Mühldelle, wo
einst ein großes Tor den Weg aus dem Wald verschloss, ging es zum „kleinenTor“ mit toller
Aussicht hinüber zum Heimathenhof. Während eines Snacks konnten die Kopfrechner gegen die
Handyrechner antreten und den Materialbedarf der 5 km langen Feldmauer ermitteln.Bei einer
Stärke von 50 cm und einer Höhe von 1.5 m (5 Schuh) waren 3250 Kubikmeter oder rund 7500
Tonnen Lese-Steine notwendig. Auf Muldenkipper verladen wären es 290 Ladungen. Beeindruckt
von der Leistung der Altvorderen ging die Gruppe weiter parallel zur Mauer bis zum Krausenbacher
Weg, dann im Gelände über Stock und Stein hinunter zur Schwandelle. Den Auf- und Abstieg zur
Totendelle ließ man aus, denn der Höhepunkt der Tour forderte jetzt „die letzten Körner“. Sogar
unsere „Alpinisten“ waren beeindruckt vom steilsten Hangstück des Tages hinauf zum Steinberg,
wo als Belohnung der am besten erhaltene Mauer-Rest mit gut einem Meter Höhe und zehn Meter
Länge zu bestaunen war.
Auf dem Martinsbergweg gelangten die Wanderfreundinnen und -Freunde zur Gruftkapelle „Maria
Schnee, die Mauer hatte sich schon kurz vor der Gemarkungsgrenze zu Mespelbrunn Richtung
Elsava verabschiedet. Inzwischen war es auch dunkel geworden und es war nach elf Kilometern
Zeit zur Einkehr in der „Linde“. Alle Teilnehmer/innen waren sich einig, mit der Erkundung der
Relikte der früheren Kulturlandschaft eine Top-Wanderung erlebt zu haben bei herrlichem
Herbstwetter und in bester Gesellschaft.
Verfasser: Wolfgang Specht, Heimbuchenthal
Bild: Stefan Striegler
